Retro-Trip: Schriftmodul-Kassetten

17.12.2025 | Retro-Ecke

Wissen Sie was eine Schriftmodul-Kassette ist? Falls nicht, möchten wir Ihnen in diesem Artikel mal dieses seltene Fundstück aus unserer Retro-IT-Vitrine vorstellen.

Schriftmodul-Kassetten (engl. Font Cartridges), oder kurz Schriftmodule, waren bei alten Druckern die einzige Möglichkeit Texte in anderen als den vorinstallierten Schriftarten auf Papier zu bringen. Ja, Sie haben richtig gelesen: Damals bestimmte der Drucker die verwendete Schriftart beim Ausdruck, nicht die Anwendungssoftware auf dem Computer.

Dazu schickte der Drucker, üblicherweise unter Verwendung der Printer Command Language (PCL), die Zeichen des Textes samt Steuerbefehlen an den Drucker. Mit den im Drucker vorinstallierten Schriften oder eben der Schriftmodule wurde dann erst bei der Ausgabe die zu druckende Schriftform bestimmt. Je nach Druckerhersteller und -modell mussten Schriften vor dem Druck direkt am Drucker ausgewählt werden oder konnten aus kompatiblen Textverarbeitungsprogrammen dynamisch an den Drucker kommuniziert werden. So ist grundlegend die Steuerung der zu verwendenden Schriftart, aus dem Repertoire des Druckers und eventuell eingesetzter Schriftmodule, auch über PCL möglich und gestattete dann den Schriftenwechsel innerhalb eines Dokuments – etwas, was wir heute als völlig normal erachten.

Durch die Verwendung von Schriftmodulen konnten Anwender zumindest etwas Schriftenvielfalt in Ihrer Geschäfts- oder Privatkorrespondenz erreichen. Viele Drucker aus der Zeit Mitte der 80er verfügten über Schriftmodul-Steckplätze, welche damals genauso beworben wurden wie heute die Anzahl der Zufuhr-Fächer. Das war also mal „ein Ding“.


Die Schriftmodul-Kassette aus unserer Retro-Vitrine brachte kompatiblen Druckern die Schriftart „Helvetica“ bei, eine bereits 1957 in der Schweiz entwickelte Schrift die aber auch heute noch von Bedeutung ist (bis 2015 war eine weiterentwickelte Version der Schrift, die „Neue Helvetica“ die Systemschrift von Apples iPhone-Betriebssystem „iOS“).

Unter dem Kunststoffgehäuse verbirgt sich ein ROM-Speicher auf dem die Zeichen der Schrift als Bitmap (Matrix aus Bits, die einem Bildpunkt entsprechen) gespeichert sind. Und das auch in verschiedenen Schriftgrößen! Den durch die Eigenschaft von Bitmaps, mit Bits bzw. Bildpunkten als kleinste darstellbare Einheit, sind nur ganzzahlige Vielfache mögliche. Als Anwender musste man sich also konkret auf eine der im Drucker verfügbaren Schriftarten und Schriftgrößen festlegen.

Heute ist das natürlich alles viel einfacher: Anwender können direkt beliebige Schriften und Schriftgrößen in ihren Anwendungsprogrammen wählen und müssen sich keine Gedanken darüber machen, welche Schrift vom Drucker unterstützt wird. Das Nachrüsten von Schriftarten erfolgt allein am Rechner – die hier beschriebenen Font Cartridges sind somit obsolet und ein Fall für unsere Retro-IT-Vitrine.

Bildnachweis: Fotos Sobotta IT GmbH / Hintergrund Artikelbild zeigt Helvetica Schrift

Kategorien

Sobotta IT
Datenschutz-Übersicht

Unsere Website verwendet Cookies zur Bereitstellung ausgewählter Funktionen sowie für anonymisierte Nutzungsstatistiken. Cookie-Informationen werden in Ihrem Browser gespeichert und helfen uns die Nutzung unserer Website auszuwerten, Probleme und Verbesserungspotential zu finden.